gedicht des monats
Alles gut? (Mai 2019)
Was heutzutage man auch tut,
man zollt der Floskel oft Tribut.
Gibt's da ein Beispiel? Absolut:
Man sagt andauernd „alles gut”.

Man kocht und putzt, kauft schnell was ein,
wäscht Wäsche, bügelt sie noch fein,
bringt alles kaum unter 'nen Hut.
Und trotzdem sagt man „alles gut”.

Ein Kind am Spielplatz, Sprung zu kurz,
fällt vom Gerüst, ein übler Sturz,
die Wunde klafft, das Knie voll Blut.
Kind hört vom Vater: „Alles gut!”

Ein Zeltplatz, kleine Feuersbrunst,
das Stockbrot-Backen, hohe Kunst.
Das Brot fällt mehrmals in die Glut,
man isst es trotzdem: „Alles gut!”.

Man geht zum Arzt, wird kontrolliert,
das Leid wird diagnostiziert.
Ob chronisch oder auch akut,
ist halb so schlimm, „wird alles gut”.

Beziehung nervt, andauernd Streit,
man will sich trennen, es wird Zeit,
doch im Gespräch verfliegt der Mut:
„Gibt's ein Problem?”, „Nein, alles gut.”

Man geht zur Arbeit, plagt sich ab,
macht Überstunden nicht zu knapp.
Dann nur Kritik, man platzt vor Wut,
der Chef jedoch hört „alles gut”.

Kaum jemand allerdings vergisst,
dass selten „alles gut” nur ist.
Wer die zwei Worte hört, der weiß,
sehr oft ist alles auch ein Scheiß.
RheinPoesie (April 2019)
Ein Dickhäuter klagte in Düsseldorf:
„Hey Tierpfleger, ich habe Rüsselschorf!
Ich brauch gute Pflege
in meinem Gehege,
sonst fühl ich mich unwohl in Düsseldorf.”

RheinPoesie

Der Tierpfleger aus Mönchengladbach
sprach: „Mein Job ist, dass ich dich satt mach.
Der Schorf von dem Rüssel
fällt bald in die Düssel,
da braucht's keine Pflege aus Gladbach.”

Da ging unser Grautier nach Kölle.
„Die Zeit auf der Kö war die Hölle,
nur Reiche und Schöne,
stattdessen gewöhne
ich mich an die Domstadt zu Kölle.”

Ein Zirkusdirektor aus Bonn,
der fragte: „Was hast du davon
in Köln hier zu sein?
Komm mit mir hoch den Rhein,
es ist sehr viel entspannter in Bonn.”

Das Rüsseltier – Heimat Nairobi –
sprach: „Ach, da gibt's höchstens 'nen OBI.
Doch als Elefant,
fühl ich fremd mich im Land
hier am Rhein, ich geh heim nach Nairobi.”
Oskar und das Hundeklo (März 2019)
Vor circa einer Stunde so,
da suchte ich ein Hundeklo.
Nur leider gab‘s für mich vor Ort
dort keinen passenden Abort.

Es gab nur einen Wiesenrand,
die Freude, dass ich diesen fand,
war groß, genau wie mein Geschäft:
Gebückt, gedrückt – geschafft, gekläfft.

Oskar und das Hundeklo (Bild 1)

Mein Herrchen, ich war nicht allein,
packt immer eine Tüte ein
und hatte sie zum Glück parat
für meinen braunen Wurstsalat.

So war ich nach der Runde froh,
dass ich, auch ohne Hundeklo,
mit meinem Stuhlgang fertig war
und alles sauber blieb sogar.

Oskar und das Hundeklo (Bild 1)

Dass dies den Menschen wichtig ist
(die stört ja schon, wenn man mal pisst),
kann man bei jedem Gassigehn
auf wirklich tollen Schildern sehn.

Die Menschen stellen diese auf
und schreiben „Hund, nicht kacken!” drauf
(nur manchmal anders ausgedrückt,
mitunter nicht so ganz geglückt).

Oskar und das Hundeklo (Bild 2)

Es ist ja nun im Grunde so:
Fast nirgends gibt’s ein Hundeklo.
Ihr Menschen: Regelt das doch mal!
(Als Hund ist mir das scheißegal.)
Der Rücken (Februar 2019)
Ein Rücken kann entzücken,
Ich zucke ganz entrückt.
Zum Glück aus freien Stücken
bin ich ruckzuck beglückt.

Ich muss auf Rücken gucken,
weil es – verrückt – mich juckt.
Fast muss ich mich verschlucken:
ein Rückgrat, wie gedruckt.

Ein Ruecken

Ein Rücken hat auch Lücken,
doch da ist er bestückt
mit Scheiben, die beim Bücken
der Druck zusammendrückt.

Sich bücken heißt sich ducken,
und wenn der Rücken muckt
beim Pflücken durch ein Rucken
hat mancher schon gespuckt.

Kein Buckel, keine Krücken,
kein Kropf macht mich bedrückt.
Mich stört nur, ist ein Rücken
mit Arschgeweih „geschmückt”.
Veggie-Wrap (Januar 2019)
Helga (H) und Erna (E) im Zwiegespräch
H: „Hey Erna, machst Du mal 'n Veggie-Wrap?”
E: „Wer will denn so was?”
H: „Na der Typ da mit dem Baseball-Cap.”
E: „So ohne Wurst und ohne Schinken und womöglich ohne Ei?”
H: „Halt so 'n Veggie-Wrap aus unsrer schönen Bahnhofsbäckerei.”
Veggie-Wrap
E: „Ich selber ess ja
wirklich selten Fleisch
und auch mit Blick auf andre Fleischeslüste
bleib ich meist keusch.”
H: „Woran nur das wohl liegt?
Warum Enthaltung siegt?”
E: „Ja, ich weiß auch nicht, warum keiner von den
Kerls auf mich fliegt.”
H: „Ich esse gar kein Tier
und eines sag ich dir:
als Vegetarier gerätst du
auch mal schnell ins Visier.”
E: „Und isst du manchmal Fisch?”
H: „Kommt nicht auf meinen Tisch!”
E: „Dabei ist Fisch doch so gesund,
den gibt‘s bei Nordsee ganz frisch.”
H: „Ach Erna, mach jetzt mal den Veggie-Wrap!”
E: „Warum denn ich jetzt?”
H: „Weil ich schau mal kurz was auf WhatsApp.”
E: „Ok, dann mach ich was mit Gurke, Zwiebel, allerdings dazu
kommt nix vom Schwein, auch nix vom Huhn und und höchstens Milch von einer Kuh.”
H: „Bei mir steht auf dem Plan,
ich werde ganz vegan.
Jedweder Lederfummel
wirft mich momentan aus der Bahn.”
E: „Ich glaub, das könnt’ ich nicht,
so ein Totalverzicht.
Ein bisschen Käse
und Salami fällt doch kaum ins Gewicht.”
H: „Wenn nur die Gummibären
ohne Schwarte wären.”
E: „Was soll das denn heißen,
das musst du mir mal erklären.”
H: „Na, die regulären
bunten Gummibären
sind zum Teil aus Schweineschwarten,
aber keinen fairen.”
E: „Ach Helga, was kommt in den Veggie-Wrap?”
H: „Hast du‘s vergessen?”
E: „Ja, ich hab doch dieses Handycap.
Ich kann mir Sachen so schlecht merken und ’nen Wrap mach ich nicht oft.
Und dieser Typ mit Baseball-Cappy kam jetzt eher unverhofft.”
H: „Schneid mal Tomate auf
und tu auch Pilze drauf.”
E: „Das sind doch Lebewesen,
nimmst du da den Mord in Kauf?”
H: „Mann wovon reden wir,
ein Pilz ist doch kein Tier.”
E: „Aber ‘ne Pflanze ist es auch nicht
glaube ich (klick mal hier).”
H: „Das war mir noch nicht klar,
aber ich ess’ sogar
manchmal von Bienen Honig,
meinst du, das ist hinnehmbar?”
E: „Du meinst, ein Land verdrießt,
wo Milch und Honig fließt?
Man kriegt die meisten, auch Veganer,
wenn man Bier eingießt.”
H: „Mensch Erna, gibt‘s jetzt bald den Veggie-Wrap.”
E: „Der Typ mit Kappe ist inzwischen weg.
Na so ein Depp.
Der isst jetzt sicher Avocado-Sandwich gleich hier nebenan.”
H: „Obwohl man das ja ohne Schuldgefühle auch nicht essen kann.”
Prolog:
E: „Der Typ ist wieder da und will ’nen Wrap ganz ohne CO zwei.”
H: „Der soll die Luft anhalten, hier in unsrer Bahnhofsbäckerei!”
© Axel Horndasch