gedicht des monats
Geisterwald (August 2018)
Zumeist erschallt
im Geisterwald
ein Ächzen.

Und irgendwann,
kurz später dann
ein Krächzen.

Wer da wohl ächzt?
Was da wohl krächzt?
Wer da nach wessen
Blut wohl lechzt?

Geisterwald

Wer weitergeht
und weiter späht
erschaudert.

Weil man verstört
Geräusche hört
und zaudert.

So ganz allein
mit Stock und Stein
ist man wohl nicht,
was kann das sein?

Die Lichtung dort
(in Richtung Nord)
ist finster.

Kein Blümchen blüht,
kein Glühwurm glüht
im Ginster.

Man nähert sich
sehr vorsichtig
und denkt: „Das klappt
schon – hoffentlich!”

Da rattert es
und knattert es
geräuschvoll.

Man rätselt: „Krass,
was ist denn das,
Ein Waldtroll?”

„Der einen frisst?”
Doch nein es ist
ein radelnder
Pauschaltourist.
Limericks am See (Juli 2018)
Es war mal ein Chor in Erlangen,
der wär‘ gern zum See hingegangen.
Doch Petrus schoss quer
und es regnete sehr,
also blieb der Chor erst in Erlangen.

Limericks_am_See.jpg

Dann ging er nach Herzogenaurach,
und fand dort bei Freunden ein Obdach.
Man probte im „Dorf”
einfach wieder den Orff
immer freitags in Herzogenaurach.

So konnte der Chor aus Erlangen
schlussendlich zum See noch gelangen.
Dort traf man auf die
Junge Philharmonie
und auch die kam direkt aus Erlangen.
Der Pianist (Juni 2018)
Fast nie vergisst
der Pianist
die Klangwelt auszuloten.
Wenn‘s doch passiert,
wird kritisiert.
Gibt man ihm schlechte Noten?

Der_Pianist

Er hat nun, ach,
studiert Herrn Bach
Franz Liszt und Joseph Haydn
in Moll und Dur
(und selten nur
war’s keines von den beiden).

Er hat Esprit,
und Fantasie,
spielt jegliche Formate,
im Mondenschein
zum Beispiel ein-
e liebliche Sonate.

Das Publikum
bleibt selten stumm
und manchmal klatscht es länger.
Doch leider ist
der Pianist
nicht Grund. Es ist Der Sänger.
Neonicotinoide (Mai 2018)
Frei nach Hoffmann von Fallerslebens
Kinderliedklassiker Summ, Summ, Summ
Summ, summ, summ,
Bienchen summ herum.
Du bist Säuseln in den Ohren
und hast feine Rezeptoren.
Sing ein Lied
zu Insektizid.

Neonicotinoide

Summ, summ, summ,
Bienchen summ herum.
Doch pass auf, da sind perfide
Neonicotinoide.
Im Urin
Clothianidin.

Summ, summ, summ,
Bienchen summ herum.
Imidacloprid zu sehen
wird dir auf die Nerven gehen.
Ach wie dumm
Bienchen fliegt jetzt krumm.

Summ, summ, summ,
Bienchen summ herum.
Acetylcholin wär besser,
doch wir liefern dich ans Messer:
Plötzlich kam
Thiamethoxam.

Summ, summ, summ,
Bienchen summ herum.
Herbizide sind oft bitter,
denn sie stören die Transmitter.
Statt Gebrumm
bleibst du bald schon stumm.
Am Ende des Tages (April 2018)
Isonormalverbraucher
sind nicht der Anspruch hier.
Die allerhöchsten Benchmarks
und Standards setzen wir.

Tatsächlich wird das meiste
letztendlich schon gewuppt.
Auch wenn sich das Problem als
herausfordernd entpuppt.

Am_Ende_des_Tages

Wie händeln wir Int'resse
an uns'rem Angebot?
Da ist die Frage spannend:
Wen holen wir ins Boot?

Wir planen das per TelKo,
und kippen es gleich ein.
Ich hoffe, ihr seid bei mir
(sonst bin ich ganz allein).

Die next Steps sind noch pending.
Im weiteren Verlauf
fehl'n uns ein Stück weit Skills noch,
wir schlauen uns erst auf.

Bevor wir uns committen
wird aber diskutiert:
Sind alle Action Items
und Issues adressiert?

Es gibt ja eine Deadline,
die in der Pipeline ist.
Und wenn wir gut performen,
dann halten wir die Frist.

Das hat die höchste Prio
und muss ASAP passier'n,
weil wir, wenn wir nicht liefern,
den Customer verlier'n.

Die LOP der off'nen Punkte
spricht jedenfalls dafür:
wir kommen mit dem Feature
sehr zeitnah durch die Tür.

Ich hab das auf dem Radar,
setz mir im Hintergrund
nun proaktiv den Hut auf
und mach die Story rund.

Jetzt nur mal auf der Tonspur:
Ich denk', dass irgendwann
das Wording sich noch bessert
(dann kommt ein Haken dran).
Wortspiele (März 2018)
Wenn keiner mit dir spielen will,
dann spiele mit den Worten.
So kannst du immer spielen und
das fast an allen Orten.

Die Worte können zickig sein,
nicht schlimm, du kannst sie formen.
Und passen die althergebrach-
ten nicht, nimm die abnormen.

Wortspiel

Sogar für Synonym soll es
noch andre Worte geben.
Doch warum Worte suchen
und nach einer Ordnung streben?

Wer Maß hält im Gedicht per Vers,
der reimt nicht unbesonnen,
der schafft durch Metrum Rhythmus
und hat dadurch schon gewonnen.

Die Worte spielen nie verrückt,
sie bleiben gerne stehen.
Und machen sie mal einen Satz,
will man sie springen sehen.

Denn schließlich landen sie dann dort,
wo sie Bedeutung tragen.
Nur wo genau das ist, ist nicht
so leicht vorherzusagen.

Ich spiele wirklich gern mit euch
ihr holden Sprachbausteine,
denn immer, wenn ich euch mal brauch,
lasst ihr mich nicht alleine.
Der Apfel und das Mus (Februar 2018)
Der Apfel sagt zum Apfelmus:
„Ich bin dann raus, 'nen schönen Gruß!”
Das Apfelmus denkt voll Verdruss:
„Wohin der Apfel jetzt noch muss?”

Da schaltet sich fast von allein
die Apfelschälmaschine ein.
Und schwupp, schon ist die Schale weg,
in die das Obst sich warf, oh Schreck.

Der Apfel und das Mus

Der Schock erwischt das Apfelmus
natürlich auf dem falschen Fuß:
„Mensch Apfel, Armer, du bist nackt!”
Da wird der Apfel ganz zerhackt.

Was bleibt vom Apfel noch zurück?
Das eine oder and’re Stück,
dazu die Schale und das Haus.
Doch hat er Recht, jetzt ist er raus.

Epilog:
Wenn man sich nun ganz ungestört
dem Rest des Apfels nähert, hört
man zu den Tönen eines Blues':
„Jetzt bin ich nur noch Apfelmus!”
Wintersport ist Mord (Januar 2018)
Ich rodle nicht,
weil man da schlicht
sich‘s Steißbein bricht.

Ich schmeiß sofort
an diesem Ort
mein Snowboard
fort.

Wintersport ist Mord

Ich fahre nie
mehr Abfahrtski,
denn’s Knie
is‘ hi.

Ich skate nur,
doch das nicht in
der Langlaufspur.

Denn weil’s beglückt,
wenn man mit Herz
die Dame drückt,

spiel ich mit vier
und so verlier
ich niemals hier.
© Axel Horndasch